!!! im Interview über ihr neues Album „Wallop“

Fragt man Nic Offer, warum das neue !!!-Album „Wallop“ so aufregend klingt, bietet er eine nicht minder aufregende Erklärung.

Nic, bereust du es jetzt, dass du einen Großteil der 90er damit verbracht hast, alte James-Brown-Platten zu hören?

Nic Offer: Ach was, jeder sollte irgendwann in seinem Leben eine intensive James-Brown-Phase haben. Zumal ich mit der Aussage auch bewusst ein bisschen übertrieben habe. Wir haben schon ein paar musikalische Entwicklungen der 90er mitgenommen, schließlich haben wir damals in Sacramento gelebt, wo es eine spannende Jungle- und 2-Step-Szene gegeben hat. Ich mochte teilweise auch den Radiorap aus dieser Zeit, und natürlich habe ich Stereolab gefeiert.

Trotzdem hat man das Jahrzehnt zunächst ein bisschen unterschätzt, oder?

Nic Offer: Klar, damals bin ich auch rumgerannt und habe behauptet, Rockmusik wäre tot – und jetzt entdecke ich viele Bands nachträglich, die ich damals verschmäht habe. Und natürlich geht auch unser neues Album auf viele 90er-Referenzen ein, die ich erst im Nachhinein schätzen gelernt habe. Es ist ja typisch für die Popkultur, dass sie sich auf Sounds bezieht, die vor 20 Jahren prägend gewesen sind. Trotzdem ist der reine Retroaspekt unspannend, und auf „Wallop“ geht es uns natürlich um einen zeitgemäßen Aufgriff.

 

 

Ihr arbeitet die 90er-Referenzen in den Dancefunk-Sound eurer letzten Alben ein. Trotzdem klingt ihr auf dem achten !!!-Album so frisch und aufregend wie lange nicht. Hast du dafür eine Erklärung?

Nic Offer: Wir versuchen, uns nicht so sehr an Alben zu orientieren, sondern kontinuierlich neue Sachen zu machen. Trotzdem freut es mich natürlich, dass du das sagst, und die große Neuerung bei „Wallop“ ist ja, dass wir zum ersten Mal eine Platte in meiner Wohnung aufgenommen haben. Natürlich hat es auch finanzielle Vorteile, und als unser Label durchblicken lassen hat, dass andere Bands zuletzt sehr gut damit gefahren sind, fanden wir die Idee extrem reizvoll. Ich habe mich im Studio nie unwohl gefühlt, aber natürlich ist man in der gewohnten Umgebung mutiger und experimentierfreudiger.

Der kreative Prozess profitiert von Unsicherheiten?

Nic Offer: Unbedingt. Wir unterscheiden da immer zwischen der Brian-Eno- und der New-Order-Methode. Während Brian Eno sich ja gern auf einen Synthie beschränkt und alles aus ihn rausholt, haben wir uns an New Order orientiert, um unsere Kreativität zu triggern: Einfach mal mit Maschinen spielen, von denen wir gar nicht so genau wissen, wie sie funktionieren. So ist ja deren größter Hit „Blue Monday“ entstanden. Sie hatten eigentlich keinen blassen Schimmer, was sie mit all diesen Sequenzern anstellen sollten.

 

 

Lauft ihr denn Gefahr, einer gewissen Routine zu verfallen? Ihr seid von einer Idee begeistert und stellt dann aber fest, dass ihr etwas Ähnliches bereits zuvor gemacht habt?

Nic Offer: Das kommt nach so vielen Alben tatsächlich schon mal vor. Aber es ist natürlich auch ein Ansporn. Wenn du das feststellst, willst du den Song ja nicht in die Tonne treten, sondern du bemüht dich, neue Elemente hinzuzufügen, die eine Veröffentlichung rechtfertigen. Bei „This is the Door“ ist das etwa der Fall. Eigentlich ist das ein typischer Discosong und wir haben uns ziemlich reingehängt, um ihn zu etwas Besonderen zu machen.

Dann wird es mit jedem veröffentlichten Album schwieriger, kreativ zu sein?

Nic Offer: Das könnte man meinen – trotzdem fühlt es sich für mich nicht so an. Natürlich läuft man oft gegen Wände, aber seit wir „Wallop“ abgeschlossen haben, waren wir auch schon wieder wahnsinnig kreativ. Wir haben schon die Hälfte der Songs für eine neue Platte, und ich bin von diesen neuen Tracks gerade wahnsinnig euphorisiert.

War denn von Anfang an geplant, dass ihr zu eurer „Wallop“-Party so viele Freunde einladen wollt. Auf dem Album sind ja etwa Angus Andrew von den Liars, Maria Uzor von Sink Ya Teeth und Glasser dabei.

Nic Offer: Geplant war das nicht, sondern es hat sich durch diese neue, entspannte Arbeitsweise einfach ergeben. Mit Sink Ya Teeth waren wir ja auf Tour, und ich habe das letzte Liars-Album extrem gefeiert. Mit ihnen habe ich mich immer verbunden gefühlt, weil weil sie mit jedem Album neue Sachen ausprobieren und sich weiterentwickeln.

 

 

Mir gefällt es, dass „Wallop“ im Pressetext als „apokalyptische Jukebox“ beschrieben wird, was ja auch von der Tatsache befeuert wird, dass ihr mit verschiedenen Produzenten gearbeitet habt. Aber ärgert dich dieses Bild nicht auch ein bisschen, weil dabei ja die Dramaturgie unterschlagen wird, die „Wallop“ zu einem Album macht?

Nic Offer: Die Dramaturgie ist eine nachträgliche Bestätigung, aber unser Ausgangspunkt war ja schon die radikale Abwechslung. Indem wir Instrumentaltracks an unsere Gäste verschickt haben, wollten wir uns ja ganz bewusst der Ungewissheit ausliefern und dann darauf reagieren.

Mit den Texten habt ihr diesmal ziemlich gekämpft. Warum ist der ursprüngliche Plan gescheitert, eine politische Platte aufzunehmen?

Nic Offer: Es klang wahnsinnig aufgesetzt. Ich hatte das Gefühl, alles, was ich in meinen Texten zum Ausdruck gebracht hatte, war eh Bestandteil der Alltagsdiskussionen. Auf diese Art und Weise hatte ich dem gegenwärtigen politischen Diskurs nichts hinzufügen. Das hat sich erst geändert, als ich mit den Texten auf unsere Kompositionen und die ganz konkreten Sounds reagiert habe. Die Musik hat festgelegt, dass es auf der Platte um Paranoia geht – und so hat sich die politische Komponente von selbst eingeschrieben.

Wovon ja auch euer Optimismus und die Begeisterung für den technologischen Fortschritt betroffen war.

Nic Offer: Das ist schon ein Wendepunkt. Wir waren stets darum bemüht, Neuerungen nutzbar zu machen und in unsere Musik zu integrieren. Es ding stets darum, die neuen Chancen zu nutzen. Wenn jetzt aber die Skepsis überwiegt, stellt man sich natürlich unweigerlich die Frage, ob man nicht nur einfach alt wird. Doch es ist wichtig, dagegen anzugehen: Kritik soll ja gerade dadurch ausgehebelt werden, indem man den Leuten suggeriert, sie wären abgehängt und nicht mehr auf der Höhe der Zeit, wenn sie es wagen, gegen die Überwachung und das radikale Gebot der ständigen Optimierung aufzubegehren.

 

 

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