Joey Bargeld im Interview über „Punk is dead“

Interview Stefan Grüll

Joey Bargeld hat Songs mit Trettmann und Haiyti veröffentlicht. Trotzdem folgt der Hamburger Rapper mehr seinem Gefühl als dem Erfolg.

Joey, du hast in den vergangenen Jahren drei EPs mit KitschKrieg veröffentlicht. Dein Debütalbum „Punk is dead“ erscheint in Kürze. Mit der Musik angefangen hast du aber schon wesentlich früher, oder?

Joey Bargeld: Vor gut 15 Jahren habe ich als junger Spund mit Freestyles angefangen. Das war eher aus dem Spaß heraus geboren. Wir hatten eine kleine Crew aus Rappern, Sprayern, ein paar Säufern und halt auch Leuten, die Songs aufgenommen haben. Wir haben auf der Straße gechillt, Bier getrunken und gerappt.

Was war das damals für Musik, die ihr gemacht habt?

Joey Bargeld: Das war schon eher härter, auch mal mit Schimpfwörtern und frauenfeindlichen Texten. Ich dachte, dass ich als cooler HipHopper auch übers Kiffen und Ficken rappen muss. Ich habe aber damals schon gemerkt, dass das nicht wirklich meins ist. Es gab dann auch einen relativ harten Cut, ich habe über Jahre gearbeitet, vor mich hingelebt und keine Musik mehr gemacht. Vor vier Jahren habe ich dann meinen Produzenten Darko Beats getroffen, mit dem ich auch jetzt noch zusammenarbeite. Das war die Anfangszeit des Trap und da war ich wieder voll drin, voll im HipHop. Da habe ich dann auch entschieden, keinen expliziten Texte und Gangster-Rap-Sachen mehr zu machen.

Gab es da einen bestimmten Auslöser, der dir vor Augen geführt hat, dass du dich mit diesem harten Image nicht mehr identifizieren kannst?

Bargeld: Für mich war Rap immer etwas, wo du voll dahinter stehen musst. Du willst der coole sein, der Preacher, der den Leuten was erzählt. Das höre ich mir auch gerne an, aber dann von Leuten, die was drauf haben. Früher war Sammy zum Beispiel ein Rapper, den ich sehr mochte, das war für mich Rap. Ich habe dagegen aber immer eher quatsch gemacht, war mehr so der Clown. Natürlich gibt es auch Clown-Rapper, aber ich sehe mich halt auch grundsätzlich breiter aufgestellt als Rap und 4/4-Takt-Beats. Ich war von anderer Musik immer genauso angezogen.

Dein Album bringt viele Genres zusammen. „Trotzdem“ ist eher dem Ska verpflichtet, während „Dancing Shoes“ klar in die Disco-Richtung geht.

Joey Bargeld: Das ist Darkos Schuld. Der hat die Beats auf seinem PC und ich suche mir einfach aus, was mir gefällt. Bei „Trotzdem“ war das so: Er hat den Song angemacht und dann hatte ich die Hook im Kopf. Die Strophen habe ich danach geschrieben, aber der Refrain war direkt da. Ich hätte mir auch die Beats aussuchen können die trappiger klingen, aber ich hab mir halt einfach explizit die Dinger geschnappt, die auch andere Genres bedienen. Bei „Jeden Tag“ kam dann dieser 2-Step-Beat, bei dem schon das Intro mich sehr gefangen hat. Das war anders als bei einem Trap-Beat, wo du weißt, da ist die Snare auf der drei und du weißt, was kommt. Man kennt die Sounds aus den 80ern, 90ern und so weiter, aber nicht aus der heutigen Zeit. Kaum einer in Deutschland interpretiert diese Art von Beats. Gerade im HipHop-Bereich sind gerade alle ein bisschen festgefahren und klingen ähnlich.

Ist dir Deutschrap denn aktuell zu monoton?

Joey Bargeld: Die Klickzahlen sind so derbe gestiegen und die Aufmerksamkeit liegt jetzt voll auf HipHop. Wenn viele Menschen sehen, dass da ein riesiger Topf ist, an dem man sich bedienen kann, ist es nur logisch, dass sie denken: Ich hab hier einen sexy Künstler, der kann ein bisschen rappen, den nehmen wir mal mit und stellen ihn überall vor. Dadurch klingt alles ein bisschen ähnlich, weil das die Formel ist, die jetzt funktioniert.

In der Hinsicht ist es ja aber interessant, dass du diesen Markt dann nicht oder nur zum Teil bedienst.

Joey Bargeld: Ich kann das halt nicht. Ich fand das halt vor sechs Jahren voll cool, als so die USA-Leute angefangen haben, sich ein bisschen verrückter darzustellen und auch mal ein bisschen Schwäche zeigen, nicht immer dieses harte Gangster-Ding. Bei der neuen Generation sind so viele Künstler dabei, die zum Beispiel ihre Depressionen, ihre Schwächen und ihre Sehnsüchte thematisieren.

Selbstzweifel sind ja auch auf deinem Album sehr präsent.

Joey Bargeld: Ja, normal. Das ist halt eher so meine Schiene. Ich war schon immer eher nachdenklich, glaube ich. Vielleicht bin ich insgeheim auch Indie-Fan. Hätte ich mich in eine Skinny-Jeans zwängen und Gitarre spielen können, hätte ich auch das gemacht. Ein Kollege von mir hatte für zwei Jahre eine Band. Die habe ich mal live gesehen und war vorne in der ersten Reihe mit dabei. Da war eine Energie im Raum, die ich auf Rapkonzerten selten erlebt habe. Das wäre auch etwas für mich. Vielleicht habe ich das einfach verdrängt oder aus einer Gruppendynamik heraus mit Rap angefangen, weil alle um mich herum das gemacht haben. Mit meinem Album kann ich diese unterschiedlichen Einflüsse jetzt aber endlich verarbeiten.

Lass uns nochmal über etwas anderes sprechen. In einem früheren Interview hast du mal gesagt, dass für die Musik sogar deinen Job aufgegeben hast.

Joey Bargeld: Ich habe es wirklich auf dem normalen Weg versucht. Ich habe zwei Mal meine Lehre abgebrochen und halbjährlich meine Jobs gewechselt. Und mit der Musik hatte ich halt was, das ich konnte. Ich hatte die Gewissheit, dass ich etwas mache, das mir gefällt. Und plötzlich kamen KitschKrieg auf mich zu und auch Trettmann. Das hat mir dann auch schon fast gereicht als Bestätigung dafür, dass ich das richtig mache.

Trotz drei EPs mit KitschKrieg hast du dein Album jetzt aber wieder mit Darko Beats produziert.

Joey Bargeld: Ich hatte mir fest vorgenommen, mit Darko ein Album zu machen und ihn nicht nach der ersten EP sitzen zu lassen. Darko hat mir so viel gegeben in den letzten Jahren, dass es schon fast familiär zwischen uns ist. Ich nenne ihn immer Ziehvater.

Diese Entscheidung finde ich spannend, zumal KitschKrieg in Deutschland aktuell wirklich Rang und Namen haben.

Joey Bargeld: Wir sind jetzt auch keine getrennten Leute, ich mache mit KitschKrieg schon noch weiter. Aber ich fühle mich halt in Hamburg wohl, ich fühle mich bei Darko wohl und mag seine Art, die Beats, und wie er die verschiedensten Sounds bedient, da bin ich auch in der Produktionsphase mehr dabei. Es fühlt sich auch mehr an, wie ein eigenes Produkt, als wenn man nach Berlin fährt, kurz was aufnimmt und es dann wieder zurück nach Hamburg geht. Bei Darko weiß ich, wie wir arbeiten, und ich kann ihm sagen, was ich möchte, und er macht das dann. Außer er findet es derbe Scheiße, dann macht er es nicht.

„Punk is dead“ ist am 13. 9. erschienen. Das Album könnt ihr hier bei Amazon bestellen.

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