Marika Hackman: Schwein sein

Die britische Musikerin hat sich ganz genau überlegt, mit welchem Tier sie für das Cover ihres neuen Albums „Any Human Friend“ posiert.

„Wenn jemand ein Problem mit meinem Text hat, frage ich mich, warum es vollkommen okay geht, dass Typen in jedem zweiten Song ganz ähnliche Sachen äußern“, sagt Marika Hackman mit einem selbstbewussten Schulterzucken. „I think it’s okay that I’d rather stay and work my way along your spine, we never have to talk, you just take your tongue and press it up against your mind“, beschreibt sie in „All Night“ den Sex zwischen zwei Frauen. „Es ist mir unglaublich schwer gefallen, dieses Stück zu schreiben, da ich auf keinen Fall chauvinistische Fantasien bedienen wollte. Der Song ist eine Rückeroberung von queerem Sex, der voyeuristischen Typen keinen Raum anbietet, sich da irgendwie reinzudenken.“

Schon ihre ersten, sehr reduzierten Folk-EPs waren persönlich, doch wenn die 27-jährige Londonerin auf ihrem dritten Album jetzt ganz selbstverständlich Noiserock, elektronische Elemente und ganz viel Popappeal einbezieht, sind auch die Texte noch mal offener, direkter und angriffslustiger. „Any human Friend“ ist ein radikales Selbstporträt, bei dem sie sich keinesfalls schont: Indem sie aus der Perspektive ihrer langjährigen Exfreundin Amber Bain alias The Japanese House textet, setzt sich Hackman mit der eigenen Beziehungsunfähigkeit auseinander. Der Titel „The One“ hingegen mag überspitzt sein, doch steht hinter dem Song der oft gefühlte Wunsch nach mehr Anerkennung.

Fragt man Marika Hackman nach ihrer Lieblingszeile vom neuen Album, so nennt sie „Under patriarchal law, I’m going to die a virgin“ aus dem Song „Hand Solo“, der die Vorzüge der Selbstbefriedigung preist. „Ich finde den Satz einfach lustig, aber gleichzeitig greift er auch eine gesellschaftliche Tendenz auf, die mir wahnsinnig gegen den Strich geht: Wenn man Sex ausschließlich als Penetration definiert, spricht man mir damit meine Sexualität ab.“ Da verwundert es dann auch nicht, dass das Albumcover nicht einfach nur augenzwinkernd die Fotos der niederländischen Künstlerin Rineke Dijkstra zitiert, die Mütter direkt nach der Entbindung mit ihren Babys fotografiert hat. „Ich halte ein Schwein in meinem Arm, weil sie als dreckige und dumme Tiere gelten. Tatsächlich sind sie aber intelligenter als Hunde, extrem sauber, und sie haben ein sehr komplexes Sexleben.“

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