Phela: Ich kam nicht klar mit dem Ellenbogendenken

Interview Steffen Rüth

Für ihre aktuelle Tour schöpft Singer/Songwriterin Raphaela „Phela“ Beer aus ihrer klassischen Ausbildung.

Phela, bei deiner letzten Tournee war deine damals gerade mal fünf Monate alte Tochter mit dabei. Wie ist das gelaufen?

Phela: Das war richtig krass und anstrengend. Meist habe ich sie um 19 Uhr ins Bett gebracht und bin um 19.30 Uhr mit dem Taxi zum Auftrittsort gefahren.

Man stellt sich das ja eher romantisch vor, so als Kleinfamilie auf Tour …

Phela: Irgendwie war es auch schön. Wir sind zu dritt im Auto dem Bandbus hinterhergereist, damit sie ein mobiles Zuhause hat. Da kam schon ein bisschen so ein Hippiefamiliengefühl auf.

Kommt die Kleine diesmal wieder mit?

Phela: Teils, teils. Sie kann auch mal ein paar Tage bei Oma und Opa bleiben. Und ich freue mich sehr darauf, nach den Konzerten mal wieder mit der Band abzuhängen.

Sind das die selben Musiker wie beim letzten Mal?

Phela: Nein, ich spiele eine reine Streichertour. Von der üblichen Besetzung ist nur mein Cellist mit dabei, er schreibt gerade die Arrangements. Ich bin ja gelernte Geigerin, und es war immer ein Traum von mir, mit einem Streichquartett zu touren. Wir werden zeigen, dass man an der Geige nicht nur klassisch brav spielen, sondern auch mal richtig den Tiger auspacken kann. Ich selbst spiele die Geige manchmal eher wie eine Gitarre.

Du bist als Tochter des Fluxus-Künstlers und Musikers Jeff Beer auf einem Bauernhof in der Oberpfalz großgeworden. War für dich immer klar, dass du selbst Musikerin sein willst?

Phela: Lange nicht bewusst. Ich habe mit vier Jahren angefangen, klassische Geige zu lernen und bin in einen Werdegang reingeschlittert, bei dem ich wahrscheinlich in einem Orchester gelandet wäre. Mit 14 habe ich jedoch die Reißleine gezogen. Ich kam nicht klar mit dem Ellenbogendenken in der klassischen Szene.

Und dann?

Phela: … bin ich im Anschluss an die Schule nach Paris gegangen, habe als Au-Pair-Mädchen gearbeitet, Straßenmusiker fotografiert, drei Semester in Hannover Jazzgeige studiert – und schließlich bin ich nach Berlin gezogen, um dort mein erstes Album aufzunehmen.

Wie unterschiedlich sind das 2015 veröffentlichte Debüt „Seite 24“ und dein neues Album „Wegweiser“?

Phela: Beide kommen von mir und aus meinem Herzen, aber ansonsten sind die Unterschiede riesig. „Seite 24“ war ein Trennungsalbum und weit radiofreundlicher produziert. „Wegweiser“ ist entstanden, nachdem mich der Erwartungsdruck lange ziemlich blockiert hatte. Ich habe schließlich in einer Berghütte auf Teneriffa dieses Album aufgenommen, und es klingt viel organischer und befreiter.

Interview: Steffen Rüth

TOUR
16. 9. Leipzig
17. 9. Heidelberg
18. 9. Stuttgart
19. 9. Magdeburg
20. 9. München
22. 9. Berlin
24. 9. Köln
26. 9. Hannover
27. 9. Hamburg
28. 9. Frankfurt

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